Nachhaltiges Webdesign – das Internet grüner gestalten

Wäre das Internet ein Land, läge es hinter China, USA, der EU, Indien und Japan auf Platz 6. Es frisst mit seinen Geräten fast so viel Strom wie Kanada und Deutschland zusammen – Tendenz steigend. Ökostrom und Stromsparen rücken daher vermehrt in den Fokus. Wie sich dies durch nachhaltiges Webdesign realisieren und überprüfen lässt, lesen Sie hier.

Webdesign – nachhaltige Gestaltung

Zahlreiche Studien beschäftigten sich in den vergangenen Jahren mit dem Strombedarf von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Das Wissenschaftsportal quarks.de recherchierte zu diesem Thema und listete die Quellen auf. Mit dem Stromverbrauch geht der CO2-Ausstoß einher.

Neben dem Einsatz erneuerbarer Energien kann nachhaltiges Webdesign den digitalen CO2-Fußabdruck senken. Tom Greenwood, Managing Director der nachhaltigen Londoner WordPress-Agentur Wholegrain Digital, durchleuchtet in seinem Buch »Sustainable Web Design« diesen Aspekt. Er gibt praktische Tipps zu schlankeren, schnelleren, CO2-effizienteren und benutzerfreundlicheren Webseiten.

Auch Gerrit Schuster nennt auf seiner Seite nachhaltiges-webdesign.jetzt entsprechende Methoden. 

Um das Ziel Nachhaltigkeit zu erreichen, lässt sich im Webdesign an einigen Schrauben drehen. Diese sind im Wesentlichen:

• Übersichtliche Struktur

• Einfache Navigation

• Guter Textaufbau

• Relevantes Bildmaterial in optimierter Größe 

• Achtsamer Einsatz von Videos

• Farbwahl

• Schrifttypen

• Serveraufrufe

• Energieeffiziente Programmiersprachen

Was bedeutet nachhaltiges Webdesign im Detail?

Übersichtliche Struktur und intuitive Navigation von Webseiten sorgen dafür, dass User schneller finden, was sie suchen. Dazu zählen auch Texte mit dem Wichtigsten zu Beginn. Dadurch reduziert sich das zu ladende Datenvolumen. Dies spart einerseits Strom und wird andererseits von Google & Co. belohnt. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, aber ein Bild wird erst im richtigen Kontext relevant. Unnötige Bilder und zu hohe Bildauflösungen gilt es daher zu vermeiden, oft reicht eine einfache Grafik. Falls doch ein Bild, dann ist die Dateigröße an die Anzeigegröße anzupassen und »Lazy Loading« zu nutzen. Bilderkarusselle, die nur ablenken und verwirren, vermeiden.

Den größten Datentransfer verursachen Streamingdienste wie YouTube, Netflix und Co. Ohne Videos wäre der CO2-Fußabdruck des Netzes um 80 % niedriger. Beim Einsatz von Videos auf Webseiten sollten sie soviel Mehrwert liefern, dass sich der erhöhte CO2-Ausstoß rechtfertigt. 

Auch die Farbwahl beeinflusst den Strombedarf. Die Farben Weiß und Blau verbrauchen an OLED-Bildschirmen die meiste Energie, wärmere, dunklere Farben sind sparsamer.

Bei den Schriften punkten variable Fonts. Schriften-Abos wie Adobe Fonts oder fonts.com mit permanenten Serveranfragen sollten vermieden werden. Insgesamt sollten Webdesigner auf unnötige Plug-ins und Bibliotheken verzichten. Am besten am Code sparen und JavaScript nicht gedankenlos nutzen.

Webseiten – CO2-Ausstoß überprüfen

Auf Tom Greenwoods Webseite websitecarbon.com lässt sich der CO2-Fußabdruck überprüfen. Einfach die URL eingeben und die Nachhaltigkeit ermitteln.

Die Überprüfung von Greenwoods Webseite wholegraindigital.com ergibt: »Hurra! Diese Webseite ist sauberer als 93% der getesteten Webseiten«. Sie erzeugt beim Besuch jedes Mal 0,07 g CO2. Bei 10.000 monatlichen Seitenaufrufen aufs Jahr gerechnet, kann Greenwood bei gleicher CO2-Emission mit einem Elektroauto 150 km weit fahren.

Grünes Webseiten Hosting

Um den CO2-Fußabdruck zu senken, ist das Hosting ein weiterer wichtiger Aspekt. Die Server des Providers sollten zu 100% mit grünem Strom laufen. Webdesigner sollten ihre Kunden darauf aufmerksam machen, denn vielmals ist dies nicht im Bewusstsein der Unternehmen.

Der Artikel erschien auf dem typoint Blog. Autor Patrick Marc Sommer

typoint ist ein Atelier für Gestaltung und Typografie. Im Fokus stehen zeitlose, ästhetische und funktionale Lösungen mit nachhaltiger Wirkung.

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